Roadmap treibhausgasneutrale Zuckerindustrie
Oktober 2024
Im Auftrag des Vereins der Zuckerindustrie e.V. (VdZ) erstellte FutureCamp eine Roadmap zu Pfaden für die Transformation der deutschen Zuckerindustrie zur Treibhausgasneutralität bis 2045. Diese Roadmap stellt eine Aktualisierung der ersten derartigen Roadmap aus dem Jahr 2020 dar.
Die Aktualisierung beinhaltet neben aktualisierten Annahmen zu CO2-Zertifikatspreisen, Energieträgerpreisen und Investitionskosten auch Betrachtungen zu Themen wie Negativemissionen und Wasserstoffnutzung.
Die in der ersten Roadmap modellierten Treibhausgasneutralitätspfade „Biogas“, „Biomasse“ und „Elektrifizierung“ bleiben erhalten und werden um einen neuen vierten Pfad ergänzt, der den partiellen Einsatz von Wärmepumpen als Elektrifizierungsoption betrachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass eine treibhausgasneutrale Zuckerindustrie in Deutschland möglich ist, wenn passende und langfristig stabile Rahmenbedingungen dafür bestehen.
Es wird deutlich, dass die zur Erreichung der Treibhausgasneutralität notwendigen Investitionen gerade in den kommenden rund 15 Jahren erhebliche Mehrkosten gegenüber den herkömmlichen fossilen Produktionsrouten verursachen. Hieraus wird die Notwendigkeit von Förderung durch Investitionskostenzuschüsse und Instrumente wie Klimaschutzverträge abgeleitet. Fortgesetzter Carbon Leakage-Schutz – perspektivisch im Rahmen des EU-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) – ist zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit ebenfalls von großer Wichtigkeit. Eine wichtige Erkenntnis der aktualisierten Fassung ist auch, dass höhere angenommene CO2– und Energieträgerkosten die mittleren energiebezogenen Kosten der fossilen Referenzszenarien und der Treibhausgasneutralitätspfade mittel- bis langfristig enger zusammenrücken lassen, als dies noch in der ersten Roadmap der Fall war. Langfristig weisen die fossilen Produktionsrouten (Referenz- und Effizienzszenario) meist gar höhere Kosten auf.
Realistisches Potential für Emissionsminderung durch Einsatz von grünem Wasserstoff sieht die Studie kurz- und mittelfristig aufgrund erwarteter Verfügbarkeit und Preise nicht, was sich aber längerfristig ändern könnte. Eine Kurzanalyse zum Potenzial der Abscheidung von biogenem CO2 aus der Verbrennung von Biomasse oder Biogas auf Basis von Zuckerrübenschnitzeln zeigt, dass die Zuckerindustrie auch durch Negativemissionen zu den deutschen Klimazielen beitragen könnte. Dies setzt aber zunächst politische Grundsatzentscheidungen, weitere Ausarbeitung der Regulierung und die Schaffung wirtschaftlicher Anreize voraus. Deutlich wird in der Studie außerdem, dass neben Regulierung und Förderung auch der Zugang zu ausreichend dimensionierten Infrastrukturen, wie Stromnetzen und Transportnetzen für Wasserstoff und CO2 darüber entscheidet, welche Handlungsoptionen zur Dekarbonisierung einem Standort offenstehen.
Die Studie steht auf der Website der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e. V. zum Download bereit (Stand Juli 2026).
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