Mit dem Klimaschutzprogramm 2026 setzt die Bundesregierung wichtige Impulse für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Aus unserer Sicht gilt: Die Richtung stimmt – entscheidend wird die Umsetzung sein.

Das Programm umfasst 67 Maßnahmen und soll im Jahr 2030 rund 27 Mio. Tonnen CO2 zusätzlich einsparen und damit die errechnete Lücke zum 65-Prozent-Minderungsziel schließen. Gleichzeitig werden Abhängigkeiten von und Kosten für fossile Importe reduziert, u. a. durch Einsparungen von Erdgas und Benzin.

Relevante Hebel:
  • Ausbau erneuerbarer Energien (z. B. zusätzliche 12 GW Windkapazitäten an Land)
  • Förderung der industriellen Dekarbonisierung und Elektrifizierung
  • Hochlauf der Elektromobilität inkl. Ladeinfrastruktur und Defossilisierung der Kraftstoffe
  • Stärkung natürlicher CO2-Senken


Mit rund 8 Mrd. Euro zusätzlicher Finanzierung hauptsächlich aus dem Klima- und Transformationsfonds entsteht dabei mehr Planungssicherheit für Investitionen.

Förderinstrumente für die Industrie

Im Rahmen des KSP 2026 werden bestehende Förderinstrumente weiter- und ein zusätzliches Förderinstrument neu entwickelt, um gezielt notwendige Investitionen in die Dekarbonisierung von Prozesswärme und Elektrifizierungstechnologien, z. B. Wärmepumpen, zu unterstützen.

Das neue Instrument soll in bestehende Förderprogramme wie die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK), die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) oder Klimaschutzbeträge, bzw. CO₂-Differenzverträge (Carbon Contracts for Difference - CCfD) eingebettet werden, um maximale Effektivität zu erreichen.

  • BIK: Die Förderung läuft in zweiter Runde weiter.
  • EEW – Vereinfachung und Weiterentwicklung:
    • Bürokratieabbau, Streichung der teils komplexen Berechnung der Investitionsmehrkosten,
    • Erweiterung der Fördertatbestände, z.B. Skalierung des fördereffizienten Wettbewerbs, Fördererhöhung für Schlüsseltechnologien als Einzelmaßnahmen wie Energiespeicher oder Elektrifizierung der Prozesswärme.
  • Klimaschutzverträge: Nach den erfolgten Ausschreibungen für die 1. Runde werden weitere Ausschreibungsrunden noch im Jahr 2026 und für 2027 erwartet.

Die EEW-Reform soll ab der Förderperiode 2027 wirksam werden und dann bis mindestens 2032 fortgeführt werden.


Kritische Einordnung:

Analysen verschiedener Marktakteure zeigen, dass die Maßnahmen voraussichtlich nicht ausreichen und/oder wirtschaftlich nicht im erforderlichen Zeitrahmen umsetzbar sind. Das Umweltbundesamtes schätzt die Zielverfehlung 2030 auf 30 Mio. Tonnen CO2. Mit den neuen KSP-Maßnahmen werden aber laut Bundesregierung nur 27 Mio. Tonnen gemindert. Der Expertenrat der Bundesregierung für Klimafragen (ERK) sieht zudem Anzeichen dafür, dass die Bundesregierung die tatsächliche Wirkung des KSP 2026 überschätzen könnte. Gründe sind u.a. die mögliche Abschwächung beim Ausbau erneuerbarer Energien sowie grundsätzlich ungeklärte Finanzierungs-, Akzeptanz- und Infrastrukturfragen. Die Wirtschaft weist angesichts anhaltender Differenzen auf wichtigen Märkten sowie steigender Produktionskosten im Kontext der sich ausweitenden globalen Konflikte auf wachsende Unsicherheiten im Kapitalmarkt, Infrastrukturengpässe und politische Risiken hin.


Implikationen für Unternehmen:

Das Programm ist eine wichtige neue Leitplanke für das Ziel 2030, aber kein Endpunkt. Unternehmen sollten jetzt langfristig aktiv werden, Transformationsstrategien schärfen („No-reget-Maßnahmen“) und Chancen frühzeitig nutzen. Transformation bleibt für Unternehmen auch unter Unsicherheit alternativlos. Ein Abwarten würde Expert:innen zufolge die Kosten noch weiter in die Höhe treiben. Szenariodenken und Flexibilität werden insbesondere im Hinblick auf Energiepreise, CO2-Kosten und Technologien (z. B. Elektrifizierung vs. Wasserstoff) erfolgskritisch.

Autor: Annette Gruß
Tags:  Klimapolitik


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